Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund

Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund.

In Vietnam war Krieg, Frank und ich, wir wollten den nicht.

Wie so viele von uns hatten wir auch vom Frieden geträumt.

Für eine Welt ohne Waffen zu kämpfen hielten wir für unser Pflicht.

Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund.

Tag für Tag zusammen im Auto Monate lang.

Fuhren Essen zu älteren Menschen und redeten viel

über Gott und die Welt, über Frust, über Zuversicht.

Frank, mein Gott Frank.

Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund.

Er wusste sehr viel, hatte n Einser-Abitur.

Ich bewunderte ihn, in der Schule schlug ich mich so durch.

Mit ner vier in Mathe reichte es für eine Lehre nur.

Frank, mein Gott Frank.

Meine Freundin behandelte er leicht von oben herab, eine Gärtnerstochter,

er dachte wohl bei sich, dass sie mir nicht genug gab.

Wenn ich nicht mehr Zivi bin dann werde ich Journalist,

sagte er und ich glaubte auch, dass das seine Sache ist.

Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund.

Er wandte sich ab, ich kam nicht mehr an ihn ran.

Ich verstand das einfach nicht, es kam plötzlich und über Nacht.

Er zog dann nach Berlin, schloss sich einem Rattenfänger an.

Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund.

Wir lebten unser Leben über 50 Jahre lang,

bis ein Anruf von einer Berliner Nummer kam.

Der Mann am and’ren Ende sagte nur: „Ich bin Frank“

Frank, mein Gott, Frank.

Er heißt Frank und ich dachte, ich wäre sein Freund.

Er kam mit seiner Frau und ich dachte nur: „mein Gott Frank“!

Ohne Gnade, ohne Rente setzten sie ihn einfach vor die Tür

und er braucht jetzt meine Hilfe, er wirkte auf mich krank.

Frank, mein Gott, Frank.

Seine Frau behandelte er leicht von oben herab

er dachte wohl bei sich, dass sie ihm nicht genug gab.

War ein Schatten seiner selbst, wurde niemals Journalist,

er war nur ein armer Teufel der nicht wusste, was Sache ist.

Frank, mein Gott, Frank.